Newsletter Weingut Kornell 02/18

 

"Liebe Weinfreunde,

im Weinbau ist es wie bei einem Rennen: Ein guter Start ist der halbe Sieg – und wir hatten heuer in den Weinbergen einen hervorragenden Start. Der Winter war außergewöhnlich feucht und das Schmelzwasser aus den Bergen hat die Böden kontinuierlich mit Wasser versorgt. Auch die Temperaturen waren ideal: Das Frühjahr war kühl, vom Frost sind wir aber verschont geblieben. Sonne und Regen haben die Reben in den letzten Wochen wachsen lassen und die Sommersonne lässt die Früchte jetzt kräftig reifen.

Während im Weinberg ein neuer Jahrgang heranwächst, wurde im Ansitz vor Kurzem etwas abgeschlossen: Unser neuer Verkostungsraum ist endlich fertig. Edel und gleichzeitig schlicht begleitet er unsere Gäste in Zukunft beim Verkosten der Weine.

Aber nicht nur Neues, sondern auch eine historische Rarität erwartet Sie am Weingut Kornell: In unserem Keller steht eine Torggl, eine der am besten erhaltenen in Südtirol. Über drei Tonnen wiegt die gesamte Presse, die nicht nur Hofgeschichte, sondern auch Weingeschichte erzählt. Schon die alten Römer haben mithilfe eines ausgeklügelten Systems, bei dem ein Holzstamm als Hebel und der Torgglstein als Gegengewicht benutzt wurden, Saft aus den Trauben gepresst. Mit wenig Kraftaufwand konnten sie dadurch die anstrengende Arbeit bewältigen und auch bei uns sind in früheren Zeiten wohl noch einige Zentner Trauben auf diese traditionelle Weise gepresst worden.

Also nicht nur der neue Verkostungsraum, sondern auch die historische Torggl und viele neue Weine erwarten Sie bei Ihrem Besuch am Weingut Kornell. Nichts davon sollten Sie sich entgehen lassen,

 

Ihr Florian Brigl"

Lage Eppan Berg

 

Es ist die besondere Lage, das hoch gelegene Terrain, das die Reben so hervorragend gedeihen lässt: Zwischen 500 und 600 Metern über dem Meeresspiegel werden unsere Reben in Eppan Berg angebaut. Obwohl die Hänge Richtung Osten ausgerichtet sind, steigen die Temperaturen dort nie so hoch an wie andernorts. Sorglos können die Reben wachsen, sind sie doch wohl behütet von einer eindrucksvollen Bergkette, dem Mendelgebirge. Die steilen Felswände sind nicht nur das optische Merkmal des Überetsches, das von weit her im ganzen Land zu sehen ist, sondern sie spenden den darunterliegenden Anlagen auch Schutz. Im Hochsommer, wenn die Luft im Tal in der Sonne flimmert, stürzen sich nach Sonnenuntergang kühle Winde die Felswände hinab und verschaffen den Reben Abkühlung.

Aber nicht nur die Lage und die Ausrichtung in Eppan Berg sind besonders, auch der Boden drückt den Reben seinen Stempel auf. Die Anlagen ruhen auf der Bozner Porphyrplatte. Über Jahrtausende hinweg hat die Evolution dort Schichten über Schichten gelagert, die heute Nährboden für die Reben sind. Dort dominiert Dolomit- und Kalkgestein, eingebettet in rötlicher Feinerde. Die Wurzeln haben Platz, um sich tief zu verankern. Diese Kombination bietet die perfekte Grundlage für gehaltvolle, tiefgründige Weißweine und macht unsere beiden Lagenweine, die in Eppan Berg angebaut werden, nicht nur fruchtig, sondern gibt ihnen außerdem noch eine Note eleganter Mineralität.

 

René Antrag

Ein unschuldiger Schluck Rotkäppchen-Sekt war René Antrags erste Begegnung mit der Welt des Weines, eine Welt, die bald seine werden würde. Der Zufall und eine Lehre in der Gastronomie haben den jungen Burschen auf die vielseitige und grenzenlose Welt aufmerksam gemacht, die sich in einem Glas verstecken kann. „Die Liebe zum Wein kam ganz nebenbei“, erinnert sich René Antrag, „und sie ist geblieben bis heute.“ Mittlerweile hat er unzählige Weine verkostet, bewertet und seinen Gästen empfohlen: Er ist Sommelier im Restaurant Steirereck in Wien, einem der renommiertesten Restaurants der Welt. Wo und wann er nur kann, sammelt er Eindrücke, sucht nach neuen Erfahrungen und bringt alles zurück in das Restaurant. Bei einem guten Wein kommt es für ihn nicht nur auf die verschiedenen Aromen und Nuancen an. Ein Wein, so sagt er, muss ihn emotional berühren, muss ihn fesseln. Kompromisse gibt es nicht. Wenn er mit seinen Gästen verkostet, hat er einen klaren Anspruch an sich selbst: Er will die Menschen dazu bringen, entspannt zu verkosten und sich gehen zu lassen: „Sie sollen befreit den Wein entdecken wollen, ohne vorher alles über das Smartphone zu recherchieren und dann spaßbefreit zu analysieren.“

Seit Jahren bereits bietet René Antrag seinen Gästen im Wiener Spitzen-Restaurant Weine vom Weingut Kornell an. Nicht nur die Weine haben in überzeugt, sondern auch mit Florian war er von Beginn an auf einer Wellenlänge. Bis nach Südtirol, nach Siebeneich ans Weingut Kornell hat René Antrag es bisher noch nicht geschafft. „Aber das“, sagt er, „steht auf meiner Liste ganz oben.“

Sauvignon Oberberg 2016

Sauvignon Blanc Oberberg Jahrgang 2016 ist ein Charakterwein: Er trägt die Merkmale des kalkhaltigen und lehmigen Schotterbodens in Eppan Berg, wo die Reben wachsen. Dieser Jahrgang ist nicht nur von der besonderen Beschaffenheit des Bodens geprägt, sondern auch von der außergewöhnlichen Wetterlage: Der Frühsommer war heiß und trocken, erst der August hat Abkühlung gebracht. Ergiebige Niederschläge im Spätherbst haben die Früchte nahezu explodieren lassen, bis sie die perfekte Reife hatten und geerntet werden konnten.

Nach der Gärung wird der Wein fünf Monate lang im Edelstahlfass auf Feinhefe gelagert und hat dann nochmals fünf Monate Zeit, sich in der Flasche weiterzuentwickeln.

Der Sauvignon sticht mit seinem funkelnden Gelb und dem grünen Schimmer gleich ins Auge. „Er strahlt regelrecht“, sagt René Antrag. „In der Nase versprüht er feine Noten von Jasmin und einen Hauch von reifen Stachelbeeren und grünen Bananen.“ Der erste Tropfen auf der Zunge, so beschreibt es der Sommelier, „ist verspielt zu Beginn, dann aber doch ernsthaft im Abgang. Die zarte Exotik birgt einen charmanten Fruchtschmelz. Die Fruchtbitterkeit bringt Spannung in den Wein, die grünen Anklänge von Brennnesseln, Gras, Paprika und zarter Chili-Würze werden angenehm abgefedert, ohne laut und aufdringlich zu wirken. Im Finish schiebt der Wein nach und spielt mit einer salzigen Struktur, die ihren Ursprung sicher im kalkhaltigen Boden hat.“

Den Sauvignon Oberberg empfiehlt René Antrag zu Gemüsegerichten mit Zucchini, Gurke oder Rübe, oder zu einem kraftvollen Fischgericht wie gebratenen Karpfen oder pochierter Waller. Eine Charakterspeise zu einem Charakterwein eben.