Newsletter Weingut Kornell 03/17

  

 

„Liebe Weinfreunde,

für uns ist jetzt die spannendste Zeit des Jahres angebrochen, die Ernte. Vor Frost zu Ostern und großer Trockenheit im Sommer blieben wir weitgehend verschont, ebenso vor Hagel. Auch bei uns was der Sommer überdurchschnittlich heiß, es gab aber immer wieder ausreichend Niederschläge. Der warme Jahresverlauf bewirkte einen sehr frühen Lesebeginn. Bereits Mitte August wurden die Weinberge vorbereitet. Die Laubwand wurde ausgedünnt und so für eine gute Durchlüftung gesorgt. Das Gras wurde geschnitten, damit vom Boden nur wenig Feuchtigkeit aufsteigt. Am 24. August war es dann soweit: Die ersten Sauvignon Blanc Trauben kamen in den Keller. Marco, unser Kellermeister, war begeistert. „Wenige Tage vor der Lese waren die Trauben „gschmackig“ und die Schale schon dünn. Die Analysen bestätigten gute, lebhafte Säure und nicht zu hohen pH-Wert. Wieder einmal zeigte es sich, dass wir das restliche Jahr im Weinberg gut gearbeitet hatten.“ Wir begannen die Lese mit Sauvignon Blanc, da wir in diesem Wein Frische und Mineralität haben möchten. Bei Weißburgunder und Pinot Grigio hingegen warteten wir noch zu. Da bestand nicht wie beim Sauvignon die Gefahr, dass die feine Aromatik durch hohe Reife verloren ging. Wenn das Wetter nun auch bei den Rotweinen so gut mitspielt, können wir uns wieder auf einen tollen Jahrgang freuen!

Ihr

Florian Brigl"

Geschichte Teil 4

Von den Seiffertitz zu den Brigls

Nach dem Tod des Grafen Karl von Wolkenstein-Rodenegg fiel der Besitz von Kornell auf dessen Enkel Gebhard Freiherr von Seiffertitz. So vermerkt im Bozner Verfachbuch mit Eintrag vom 30. Oktober 1861. Auch dieser hohe Herr war hauptsächlich in Innsbruck beschäftigt und hatte dort seinen Wohnsitz. Wie zuvor die Wolkenstein ließen es sich aber auch die Seiffertitzt nicht nehmen, alljährlich zur Erntezeit mit Kind und Kegel auf Kornell zu residieren. 1906 ging der Besitz von Gebhard an Karl von Seiffertitz über. Wegen hoher Schulden musste dieser aber bereits nach wenigen Jahren den Ansitz Kornell verkaufen. 1911 erwarben ihn die Benediktinerinnen von Habsthal. Die Schwestern aus Baden Württemberg hatten den Ansitz in erster Linie als Geldanlage gekauft, nutzten in der Folge die schöne Anlage aber auch zum Wohnen. Mit der Angliederung Südtirols an Italien nach dem ersten Weltkrieg und dem Aufkommen des Faschismus in Italien wurden in den 1920er Jahren die Handlungsmöglichkeiten für ausländische Staatsbürger zunehmend eingeschränkt. So fiel die Entscheidung, das Anwesen wieder zu verkaufen. 1927 erwarb es Leonhard Brigl, der einer traditionsreichen Weinhändler-Dynastie im nahen Girlan entstammte. Seit damals ist der Ansitz Kornell mit der Familie Brigl verbunden. 1996 ging der Besitz über Erbschaft auf Florian Brigl über. Er führt heute die lange Weinbautradition auf Kornell weiter.

Teamwork ist auf dem Weingut gefragt!

Um auf einem Weingut alles gut am Laufen zu halten, braucht es viel. Gerade die Lese ist sehr arbeitsintensiv, da benötigen wir viele Mitarbeiter. Früher waren das in der Regel Helfer aus der unmittelbaren Umgebung, heute wäre das nicht mehr möglich. Unsere Mitarbeiter formen eine bunte Truppe aus verschiedenen Ländern. Die meisten stammen aus der Slowakei und aus Polen, in den letzten Jahren kommen immer mehr auch aus Rumänien. Einige von Ihnen arbeiten schon seit über zehn Jahren mit uns. Die meisten unserer Mitarbeiter halten wir das ganze Jahr über beschäftigt. Sie sind hier am Hof untergebracht und kennen sich seit vielen Jahren. Uns ist es wichtig, dass sich die Mitarbeiter hier wohlfühlen, dann geht die Arbeit viel leichter von der Hand. Ein Weinberg braucht das ganze Jahr intensive Pflege. Über die Laubarbeit, das Ausbrechen der Blätter, wird schon der Rebschnitt für das nächste Jahr festgelegt - und dieser wiederum bestimmt Austrieb und Ertrag. So bildet das gesamte landwirtschaftliche Jahr einen Zyklus. In der Regel halten wir 6-8 Mitarbeiter das gesamte Jahr über beschäftigt, bei der Ernte können es dann bis zu 12 sein, abhängig vom Wetter. Wenn schlechtes Wetter ist, muss rasch gelesen werden, da braucht es viele Hände, die zupacken. Ist das Wetter hingegen gut und stabil, können wir uns Zeit lassen. Das sind dann Ernten, die wir uns als Winzer wünschen.

NEU - Aichberg, ein gemischter Satz

In diesen Wochen bringen wir einen neuen Wein auf den Markt: Aichberg. Dieser Weinberg umfasst knapp drei Hektar und liegt in Eppan Berg, rund 100 Meter unterhalb des Oberbergs, wo unser Sauvignon her kommt. Der Aichberg ist anders als all unsere übrigen Weine. Während wir sonst Sortenweine oder Cuvées im Sortiment führen, wird der Aichberg als Gemischter Satz an- und ausgebaut. Für den Anbau am Aichberg haben wir drei Sorten ausgewählt: Chardonnay und Weißburgunder sind dominierend, als Würze kommt noch etwas Sauvignon Blanc mit hinzu. Der Gemischte Satz stellt uns vor zwei große Herausforderungen: Im Anbau, weil die Sorten einen unterschiedlichen Reifezeitpunkt aufweisen. Im Keller, weil die Sorten gemeinsam vergoren werden, wir also keine nachträglichen Korrekturen vornehmen können. Warum dann überhaupt einen Gemischten Satz? Florian Brigl: „Nach unserer Erfahrung erreicht ein Wein, dessen Sorten von Beginn an zusammen verarbeitet werden, größere Dichte und Komplexität. Das spezifische Terroir des Weinbergs kommt besser zum Ausdruck, genauso wie die jeweiligen Jahrgangscharakteristika. Ein Wein aus mehreren Sorten zeigt größere Vielfalt.“