Newsletter Weingut Kornell 04/17

 

"Liebe Weinfreunde,

wieder neigt sich ein Jahr dem Ende zu. 2017 war für uns ein Jahrgang mit vielen Herausforderungen, die wir gut meistern konnten. Bei den Spätfrösten im Frühjahr kamen wir mit einem blauen Auge davon, der Hagel betraf uns in diesem Jahr überhaupt nicht. Durch den heißen Sommer und die lang anhaltende Trockenheit begann die Lese extrem früh. Bereits am 23. August kamen die ersten Sauvignon Blanc Trauben in den Keller. Anfang Oktober war die Ernte der Weißwein-Trauben beendet und wir sind mit den Jungweinen sehr zufrieden. Sie zeigen gute Fülle und Frische. Schwieriger war die Rotweinlese. Niederschläge zu Ende der ersten Oktoberwoche zwangen uns, die Merlot Trauben früher als geplant zu ernten. Bei Cabernet und Lagrein hingegen sind wir sehr zufrieden. Allerdings ergab sich durch die Trockenheit eine geringere Erntemenge. Die Trauben sahen zwar gut aus, brachten am Ende aber weniger Gewicht auf die Waage, weil nur wenig Saft in den Beeren war. Unterm Strich ergeben sich rund 15 Prozent weniger Menge. Das wird aber nichts an den Preisen unserer Weine ändern, denn Qualität hat ja nichts mit der Menge zu tun. Auch in Normaljahren sind unsere Mengen stets niedrig, damit wir Ihnen bestmögliche Qualität und damit den höchsten Genuss bieten können!

Ihr

Florian Brigl"

Geschichte Teil 5

Die Brigls auf Kornell

Mit dem Aufkommen des Faschismus in der zweiten Hälfte der 1920er Jahre wurden die Besitzrechte für nicht italienische Staatsbürger immer unsicherer. 1927 verkauften die Benediktinerinnen von Habstahl in Baden Württemberg daher den Ansitz Kornell an Leonhard Brigl. Dieser entstammte einer traditionsreichen Weinhändler-Dynastie in der Ortschaft Girlan. Nach dem Tod Leonhard Brigls 1939 ging der Besitz an dessen Tochter Martha über und von dieser 1956 auf deren Sohn Fritz Brigl. Nach langer Zeit war das nun wieder ein Besitzer, der auch selbst auf Kornell wohnte. Fritz Brigl führte ein gastliches Haus und lud Heimatfreunde und Freunde der Vorgeschichte gerne zu sich ein. Fritz Brigl verstarb 1989. Da er keine Kinder hatte, überließ er noch zu Lebzeiten den Ansitz seinem Neffen Leonhard Brigl, der beruflich und privat seinen Lebensmittelpunkt in München hatte. Leonhard Brigl verstarb 1996. Nach dessen Tod ging der Besitz von Kornell schließlich auf dessen Sohn Florian über. Dieser war in München aufgewachsen, hatte in seiner Kindheit und Jugend aber immer wieder längere Zeit auf dem Anwesen seines Großonkels verbracht. So war ihm Kornell im Laufe der Jahre ans Herz gewachsen. All die Jahre hindurch wurde auf Kornell auch Weinbau betrieben. Bis in die 1950er Jahre wurde die Trauben verarbeitet und unter eigener Marke abgefüllt. Danach wurden die Trauben an verschiedene Händler und Genossenschaften geliefert. Florian Brigl griff die eigene Wein-Tradition wieder auf und erzeugt seit 2001 auf Kornell herausragende Weine mit klarem Charakter.

Marco Chisté und die Kellerarbeit

Für unseren Kellermeister Marco Chisté ist die Lese eine intensive Zeit. Maschinen und elektrische Pumpen haben zwar für Erleichterung gesorgt, viel bleibt aber noch Handarbeit. „Zur Erntezeit hat mein Arbeitstag oft 18 oder auch 20 Stunden“, sagt er. „In der Regel beginne ich um 6:45 mit meiner Arbeit. Zuerst verkoste ich alle Gärtanks und prüfe, wie weit die Gärung fortgeschritten ist. Danach mache ich alles bereit für die Annahme und Verarbeitung der frischen Trauben. Traubenmühle und Presse müssen startklar sein. Nach der Pressung beginnt die zweite Phase, der Most wird von Trubstoffen getrennt und kommt in den Gärtank wo dieser mit Hefen geimpft werden. Danach kann die Gärung starten. Diese ganze Arbeit machen ich und ein Mitarbeiter. Ist einmal die Gärung gestartet, achte ich darauf, dass die Gärkurve ausgewogen verläuft. Nach Ende der Gärung wird der Jungwein abgestochen und in einen anderen Tank umgezogen. Bei Weißweinen ist das Ganze recht simpel, bei Rotweinen wird es aufwändiger. Da muss ich darauf achten, dass die Farbstoffe und die Tannine im Tresterhut gut ausgelaugt werden. Das erreiche ich durch Unterstoßen oder Überpumpen. Das Unterstoßen machen wir per Hand, das ist richtiges Krafttraining. Erst wenn die letzte Partie vergoren ist, kehrt im Keller wieder mehr Ruhe ein und die Weine können reifen.“

Zeder, unser "Vin de Chateau"

„Zeder“ ist unser repräsentativster Wein. Unser „Vin de Chateau“ gewissermaßen. Den Namen erhielt er vom Wahrzeichen unseres Weingutes, der mächtigen Libanonzeder vor dem Haus. Wie viele andere dieser urigen Riesen in Meran und Bozen, wurde sie 1898 zur Erinnerung an das 50-jährige Regierungsjubiläum von Kaisers Franz Joseph I. gepflanzt. Heute steht sie als markantes Zeichen in der Landschaft und spendet uns an heißen Sommertagen wohligen Schatten. Zeder ist ein gekonnt abgestimmtes Cuvée aus unseren roten Hauptsorten, Merlot und Cabernet. 10 Prozent Lagrein verleihen ihm die spezifische Südtiroler Note. Die weltläufige Geschmeidigkeit von Merlot und Cabernet erhalten dadurch einen Schuss Südtiroler Würze und saftige Frucht. Fruchtigkeit und Saftigkeit sind zwei Eigenschaften, die Südtiroler Rotweinen im Konzert der großen Rotweine der Welt eine eigene Stimme verleihen. Damit können wir punkten. Die Trauben für unseren „Zeder“ werden nach Sorten getrennt im Edelstahl vergoren und reifen für 8 Monate im großen Holzfass. Danach erfolgt die Vermählung der einzelnen Sorten. Nach einer zweimonatigen Flaschenreife kommt der Wein jetzt auf den Markt. Zeder 2016 zeigt dunkles Rubin mit Violettschimmer. In der Nase präsentiert er sich mit intensiven Noten nach Brombeeren, dunklen Johannisbeeren und dunkler Schokolade, im Hintergrund feine Gewürznoten. Am Gaumen ist er frisch und saftig, öffnet sich mit geschmeidigem Tannin und feinem Schmelz, viel dunkle Beerenfrucht. Ein Wein für genussvolle Stunden.